Library-Special

 

An all die lieben KollegInnen der Büchereien Wien und ein großes Dankeschön nach Tirol (?)!

Wie vielleicht viele von euch wissen, wurde mir vor meinem Abflug ein ca. 3-wöchiges Praktikum bei den Büchereien der Stadt Wien ermöglicht. Hintergedanke war die neue Zivi-Generation bibliothekstauglich zu machen, um die lokalen Bibliotheken aufzubauen bzw. zu beleben. Und nach knapp 3 Monaten ist es nun an der Zeit einmal Danke zu sagen und zu berichten!

Doch zunächst, warum bekommt Tirol ein extra Dankeschön? Ganz einfach: In Tirol (oder München?) hat die Firma LITTERA ihren Sitz. Die Bibliothek in Ndola verwendet seit knapp drei Jahren das gleichnamige Programm der Firma um unsere Bibliothek zu verwalten. Leider ist uns die Lizenz jetzt etwas zu klein geworden, und außerdem gibt es zwei neue Bibliotheken die ebenfalls „Biblithekssoftwarebedarf“ haben. Unter dem Motto „Fragen kost ja nix!“ hab ich dann mal eine meiner Meinung nach fast schon unverschämte Email an office@littera.eu geschickt, in der ich um nicht weniger als 3 Lizenzen für je 20.000 Bücher gefragt habe. Ich muss zugeben: als dann nicht mal 4 Stunden später eine Mail mit der Zusage über diese drei Lizenzen gekommen ist, war ich mal echt sprachlos! Die Software ist einfach so komfortabel und leicht zu benutzen, dass uns und den BibliothekarInnen hier die Arbeit hier echt erleichtert wird. Bei den insgesamt 40.000 Büchern die es hier zu verwalten gibt, führt einfach kein Weg an einer vernünftigen Softwarelösung vorbei. Unsere Bibliothekarin war dementsprechend happy, da unsere alte Lizenz die „nur“ 8.000 Bücher schaffte schön langsam voll wurde (über 7.000 Bücher).

Nun zum Bericht!

Wir haben ja hier insgesamt 3 Bibliotheken die wir einrichten und verwalten sollen. Solwezi hat noch kein einziges Buch, da das Gebäude (anscheinend) noch nicht fertig ist. Ndola (die Schulbibliothek der Twikatane), wo wir stationiert sind, ist fertig und super schön eingerichtet. Hier geht es mehr um Leseförderung als darum eine neue Bibliothek aufzubauen – das haben unserer Vorgänger schon super gemacht. Kitwe (Schulbibliothek der St. Francis Technical School), hat Bücher, und seit diesem WE auch einen PC mit LITTERA. Da wir die letzten zwei Tage dort verbracht haben, möchte ich hier hauptsächlich die Eindrücke von dort wiedergeben.

Zunächst: Chaos! Ihr seht es auf den Bildern, die Bibliothek hat die Bücher vor knapp einem Monat erhalten, und es wurde damit begonnen Bücher aus den Kartons zu nehmen, und zu sortieren. Zunächst: ich habe bei meinem Praktikum in Wien echt viel gelernt, aber die Einrichtung einer komplett neuen Bibliothek von Null auf war leider nicht dabei. Also wie anfangen? Einfach ein Buch nach dem anderen in die Hand nehmen und ins System eintragen ist wohl nicht der Weisheit letzter Schluss. Also haben wir einmal damit begonnen die Bibliothek etwas umzustrukturieren. Wenn ich so an die Bibliotheken in Wien (Philadelphiabrücke, Liesing und Simmering) zurück denke, fiel mir ein: möglichst viel Platz zwischen den Regalen, und möglichst hell. Also haben wir gleich mal die großen Regale vom Fenster weggestellt und so angeordnet, dass das Licht der Fenster mit den Gängen läuft, und nicht daquer.

Dann haben wir den dortigen (extrem interessierten und engagierten!) Lehrern (waren nur Männer anwesend) eine Einführung in LITTERA gegeben. Als jemand der das Programm selbst erst wenige Male benutzt hat jemand anderen einzuschulen ist vielleicht nicht die schlauste Idee, aber Alternativen hatten wir halt keine. Und genau hier kommt uns entgegen, dass die Software echt einfach zu benutzen ist. Nach einer Stunde kann man die Basics – Leser anlegen, neue Bücher katalogisieren, Ausleihe. Auch Antworten auf neue Fragen um die ich mir noch nie Gedanken gemacht habe, konnten eigentlich sofort herausgefunden werden. ZB: Wenn ein Leser oder eine Leserin keine Bücher zurück bringt, gibt es eine Möglichkeit ihn/sie von der Ausleihe zu sperren? Siehe da: ja die gibt es, einfach auf „Block Reader“ klicken und schon erscheint bei der Ausleihe ein Hinweis.

Gut, Erklärung vorläufig abgeschlossen, fangen wir an Bücher einzutragen! Moment mal: wo fangen wir denn eigentlich an? Zuerst die Chemie-Bücher oder doch besser die Romane? Und wo stellen wir die dann eigentlich hin? Welche Kategorien brauchen wir denn eigentlich? Brauchen wir eine eigene Mikrobiologie-Sektion oder kommt das alles unter allgemeine Biologie? Ist Computer-Science eine Hauptkategorie oder eine Unterkategorie der Science Sektion? Und überhaupt: ist das eigentlich gscheit, wenn wir das so machen?

So viele Fragen, auf die meisten haben wir dann doch Antworten gefunden. Andere werden sich erst nach einiger Zeit weisen. Vielleicht sind 15 Tage Praktikum etwas wenig, aber ganz ehrlich: ich bin so dankbar für diese Erfahrung, sie hat jetzt am Wochenende einfach total viel geholfen. Nach unserer Abreise waren 301 Bücher im System, und auch eine Struktur für die weitere Arbeit. Die Katalogisierung der ca. 7.000-10.000 Bücher wird jetzt dauern, aber der Anfang ist gemacht. Stephan wird die Woche nach Kitwe entsendet um mit den Leuten vor Ort weiter zu machen, Jakob und ich bleiben in Ndola und halten Kurse.

Zum Schluss noch das große Dankeschön: 1. an die „Praktikumsvermittlerinnen“ Marion Benda und Karin Claudia, 2. an alle lieben KollegInnen während meines Praktikums. Ihr habt euch alle immer super um mich gekümmert und mir echt was beibringen können, 3. ein persönliches Danke an Silvia Cevasco von LITTERA, die mir in knapp 10 Emails diverse „Extrawünsche“ für unsere Lizenzen erfüllt hat.

Wir alle hier freuen uns total über diese große Hilfsbereitschaft. Alle Beteiligten sind natürlich herzlich eingeladen diesen Blog weiter zu verfolgen und ausdrücklich auch auf die Kommentarfunktion hingewiesen, um eventuelle Verbesserungsvorschläge oder neue Ideen zu kommunizieren. Das würde mich sehr freuen.

Anbei einige Fotos, um zu verstehen wie die Einrichtung einer sambischen Bibliothek aussieht.

Liebe Grüße aus Sambia,

Pascal

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