Eine (kranke) Woche auf der Farm

Letztes Wochenende waren wir wieder am Lake Kashiba. Diesmal haben wir noch zwei deutsche Volunteers aus Kitwe mitgenommen, damit auch die mal was von Sambia sehen.

Außerdem hat uns ein ehemaliger Auslandsdiener im Franciscan Centre besucht, und hat uns in ein Waisenhaus in Ndola mitgenommen. Dort hat nämlich seine Freundin 2011 3 Monate verbracht, und seitdem kommen beide öfters auf Besuch. Ich muss gestehen, ich war noch nie in einem österreichischen Waisenhaus, aber in einem sambischen möchte ich definitiv nicht aufwachsen. Völlig überforderte Betreuerinnen die sich um viel zu viele Kinder gleichzeitig kümmern. Bestrafung erfolgt dort auch oft durch Prügeln (Betreuerin hält Kind fest, anderen Kinder prügeln auf das eine ein), Windeln oft nur alle zwei Tage gewechselt,… Eines der Kinder hat sich dann verletzt (blutüberströmter Kopf), und die deutschen Volunteers wussten aber, dass dieses Kind HIV positiv war, weshalb zuerst Handschuhe her mussten – die aber im Waisenhaus Mangelware waren. Bis die Betreuerinnen endlich welche gefunden hatte, ist das Kind mal 5 Minuten mit blutender Wunde dagesessen. Nach nur drei Stunden Besuch war ich ziemlich fertig, obwohl ich ja in der glücklichen Lage war wieder gehen zu können…

Diese Woche hab ich noch beim Delight auf der Farm verbracht. Ich war leider irgendwie krank und hab viel Zeit im Bett verbracht, dafür hab ich aber wieder mal etwas zum Lesen gefunden. 1984 fertig, Brave new World auch bald. Gute Bücher.

Außerdem hab ich im Busch eine Mathe-Stunde unterrichtet. Ein Horror. Lehrer meinte ich solle Zinsrechnung machen (einfacher Zins, keine Exponentailfunktion). Nach 5-10 Minuten bin ich draufgekommen, dass Prozentrechnung nicht klar ist, nach weiteren 15, dass multiplizieren und addieren auf einfachem Niveau nicht hinhaut (7*22). Die Schüler waren 15-19, sie hätten das laut Lehrer locker können sollen. Eine interessante Erfahrung. Gerade im Busch merkt man wieder, wie es um die Bildung hier in Sambia steht…

Was Delight dort alles managed und auf die Beine stellt ist schon echt erstaunlich. Dadurch, dass ich mit dem Auto dort war konnte er ziemlich viele Besorgungen machen wie ZB. Zement für die Schule, oder auch Wellblechdach einkaufen. Das war auch eine harte Story: Dienstag am Nachmittag waren wir kurz in der Stadt (1 Stunde entfernt) und haben vom letzten Geld das mein Vorgänger gesammelt hat einige Dinge für die Schule eingekauft. Für die hat er einen Transporter organisiert der die Sachen in den Busch führen hätte sollen. Als mich Delight dann aus dem Krankenhaus abgeholt hat (wegen Malaria-Test der hier bei Fieber Standard ist), hat sich der Transporter gemeldet und meinte sie haben ein Brakedown. Delight organisiert daraufhin einen Mechaniker. Wir waren am Weg zurück zur Farm, als der Mechaniker mitteilte, dass dieser eine Transporter heut nix mehr liefern würde. Da die Teile aber am nächsten Morgen gebraucht wurden, ruft Delight noch einen Haufen Leute an und schafft es wirklich noch einen Transporter zu organisieren (8 am Abend).

Als ich am nächsten Morgen aufstehe, steht ein völlig zerstörter Transporter vor mir und ein ziemlich müder und resignierter Delight. Der Ersatztransporter hat in der Nacht einen Unfall verursacht. Die Hälfte der Ladung ist zerstört, die Polizeikosten (40 €) muss Delight bezahlen, da er den Transporter organisiert hat. Das Traurige ist ja, das sowas hier zum Alltag gehört. Was dem Delight noch dazu kommt ist, dass seine Arbeiter eh schon kaum was hackeln (außer er steht daneben oder sie wissen, dass er gleich kommt), und dann wenn sie ohne Material dastehen und nicht arbeiten können regen sie sich auf und wollen trotzdem Geld. Auch kleinere Dinge sind hier einfach echt mühsam, und wenn man dann noch so viel weiterbringen will wie der Delight braucht man echt einiges an Kraft. Er hat mir eh erzählt, dass er manchmal echt am Verzweifeln ist. Außerdem ist er im Busch ein bissi das Mädchen für alles, und Leute kommen wegen wirkliche ALLEM zu ihm, weil sie halt wissen, dass er es meistens schafft was auf die Beine zu stellen.

Stephan, Jakob und ich wollen ihm jedenfalls bei seinen Projekten helfen, und besprechen gerade mit ihm wie wir hier sinnvoll helfen könnten.

PS: Die Zwiebel-Bewässerung hab ich diesmal mit Schlapfen gemacht, nicht dass es dann wieder heißt ich hätt die schönen Schuhe genommen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s